... auf der Suche nach Leben ...



  Startseite
  Archiv
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 

http://myblog.de/silbertraum

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
schuldig, unschuldig, krank oder schwach

Ja, mal wieder die leidige Frage nach Schuld und Unschuld. Wieviel Schuld habe ich selbst an meiner Geschichte? Wieviel Schuld an meinem jetzigen Zustand? Wie sehr bin ich "Opfer", wie sehr "Täter an mir selbst"?

Bin ich schuld an den Dingen, die mir widerfahren sind? Bin ich schuld, weil ich keine Grenzen gesetzt habe? Nicht "Nein!" gesagt habe? Niemandem davon erzählt habe? Mich zurückgezogen habe? Gelogen habe um Täter zu schützen?

Ich hätte so vieles anders machen können, dann wäre alles anders gelaufen. Okay, die Familiendynamiken, die konnte ich als Kind nicht durchschauen. Dagegen konnte ich mich nicht wehren. Aber später - warum habe ich die Krankheit und den Tod von H. mit mir selbst ausgemacht? Ich hätte weinen können, reden können, mir Unterstützung holen können. Warum habe ich geschwiegen und gelogen, während ich in der Schule jahrelang gemobbt und geschlagen und bedroht wurde? Ich hätte meinen Eltern deutlicher sagen können, was passiert, ich hätte den Lehrern davon erzählen können, ich hätte mich gegen die Täter wehren können. Als die ersten Erinnerungen an den Missbrauch kamen - warum habe ich nicht gleich darüber gesprochen? Ich war in Therapie, ich hätte davon erzählen können, dann hätte ich viel schneller begriffen, was los war, und ich hätte sofort eine adäquate Traumatherapie machen können. Warum habe ich überhaupt solange verheimlicht, wie beschissen es mir ging? Ich hätte viel früher therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen können, dann wären die Depressionen und Ängste nicht chronisch geworden, dann hätte ich nicht jahrelang still leiden müssen, dann wären die Verhaltens- und Denkmuster nicht so verfestigt wie heute.

Ich hätte, hätte, hätte... Hätte ich wirklich können?

Wenn ich gekonnt hätte, warum habe ich dann nicht?

Wenn ich konnte, aber nicht habe - selber schuld?

Bin ich schuld, dass ich noch immer krank bin? Habe ich mich in den Therapien nicht genug angestrengt? Kämpfe ich nicht genug? Jammere ich zu viel? Bin ich schuld, weil ich lieber so normal wie möglich leben will, anstatt wieder für werweißwielange in eine Klinik zu gehen? Müsste ich der Krankheit einen höheren Stellenwert einräumen, mich auf Therapie konzentrieren, und das normale Leben hintenan stellen?

Bin ich überhaupt krank? Alle sagen es. Alle sagen, ich könnte nichts dafür. Ich hätte Depressionen, Angststörungen, eine Persönlichkeitsstörung und wasweißich was noch. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur schwach? Ein Jammerlappen? Vielleicht wirke ich nur krank, obwohl ich in Wahrheit schlicht erbärmlich, aber ansonsten kerngesund bin?

Und das SVV. Daran bin ich doch nun wirklich schuld, oder nicht? Mich zwingt niemand, mich zu verletzen. Trotzdem tue ich es. Freiwillig. Ich kämpfe dagegen an - aber nicht immer. Manchmal will ich mich verletzen, und ich tue es und genieße es. Mein Psychiater betrachtet es bei mir als Zwangsstörung, ich müsse mich verletzen. Muss ich - oder will ich? Und wenn ich will, dann ist es doch meine Schuld, dass ich es tue? Ich könnte es doch auch einfach lassen.

Aber wenn ich es wirklich lassen könnte - warum lasse ich es dann nicht?

Ach, meine Gedanken drehen sich im Kreis. Hätte ich, hätte ich nicht, und wenn, dann, oder dann gerade nicht? Und überhaupt und sowieso!

Vielleicht frage ich meinen Psychiater am Freitag einfach mal ganz direkt, ob ich krank bin und wieviel Schuld daran ich habe. Wäre interessant zu hören, was er dazu meint. Wenn er ja so überzeugt davon ist, dass ich krank bin, wird er mir vielleicht auch eine überzeugende Antwort geben können. Andererseits, was weiß er schon von mir, von meiner Schwäche und den ganzen Dingen, die ich anders hätte machen können! Wie soll er da vernünftig beurteilen können, wie schuldig ich bin? Wenn er wüsste, wieviel Schuld ich tatsächlich trage, würde er mich dann überhaupt noch behandeln? Oder würde er mich wegschicken, weil ich es nicht verdiene, wo es doch so viele Patienten gibt, die wirklich nichts für ihre Krankheiten können?
1.11.10 12:08


Dienstage sind doof

Ich hab keine Lust morgen zur Uni zu gehen. Die Dienstage sind einfach doof...

Mit Bioinformatik fängt's an, die letzten beiden Wochen bin ich da fast eingeschlafen. Vielleicht wird das ja mal interessanter, wenn wir die Programmiersprache durchgekaut haben und es mal etwas praktischer wird. Im Moment kommt es mir eher so vor, als ob mir jemand Vokabeln vorliest ("Mit diesem Befehl kann man blabla und mit jenem blubber..." ). Und Erklärungen zu Logik oder zu Schleifen oder zu Variablen brauch ich nicht, herrjeh, ich weiß das doch schon, ich hab mir vor Jahren Programmieren beigebracht, das ist Kinderkram.

Danach krieg ich zwei Stunden monotones Gelaber über Kollagene und co., und welche Störungen es da gibt und was die Ursachen sind und wie sich das auswirkt blabla. Okay, die Pathologien sind schon irgendwie interessant, aber mal ehrlich - Kollagene, die sind nun wirklich nicht sooo spannend. Meine Begeisterung hält sich jedenfalls in Grenzen. Aber wenn ich den Stoffplan so angucke, dann sind die Kollagene noch so ziemlich das spannendste was dieses Fach zu bieten hat, danach wird es noch öder.

Ja, und anschließend nochmal Bioinformatik, diesmal nicht Vorlesung, sondern Übung. Ist ein bisschen besser, weil man da wenigstens was tun kann und nicht nur zuhört. Andererseits sind die derzeitigen Aufgaben keine wirkliche Herausforderung. Und der Lärmpegel ist so verdammt hoch, klar, wir lösen die Aufgaben ja in Kleingruppen und da ist quasi jeder am Reden. Ich kann sowas nicht ab, wenn viele Leute laut durcheinander reden, mir dröhnt der Schädel und es tut mir wirklich weh im Kopf.

Die Dienstage - nein, die Dienstage werden dieses Semester ganz sicher nicht meine Lieblingstage.
1.11.10 19:37


Schauspielerin

Glaub mir, es ist nicht immer alles so, wie es zu sein scheint. Du siehst mich fast immer lachend. Ich mache Witze, albere mit meinen Freunden rum. Du folgst unseren Gesprächen, und du schmunzelst oft über die Dinge, die ich so sage. Ja, ich kann Menschen zum Lachen bringen, ich kann witzig sein, humorvoll. Ich weiß, dass ich keine Schönheit bin, aber ich weiß auch, dass ich Blicke auf mich ziehen kann. Ich kann pure Freude und Lebenslust ausstrahlen und Menschen damit in meinen Bann ziehen. Das ist dein Eindruck, nicht wahr? Die immer gut gelaunte junge Frau, die auf der Sonnenseite steht, sorglos und unbeschwert ist, heiter, fröhlich, und die mit strahlendem Lächeln jeden Augenblick ihres Lebens genießt.

Ja, du wärst auch so einer, der es nicht begreifen würde, wenn ich mich umbrächte. Fassungslos wärst du, und du würdest es im ersten Moment gar nicht glauben können. "Die hat sich umgebracht? Nein! Das kann doch nicht sein! Warum nur hat sie das getan? Sie war doch so glücklich!"

Es ist nur ein Schauspiel. Ein Theaterstück. Eine Rolle, die junge glückliche Frau. Begreife: Was du siehst, das bin nicht ich. Ich wünschte, ich wäre es, aber ich bin es nicht. Ich. Bin. Es. Nicht.

2.11.10 20:31


Manchmal reicht ein einziges Wort, damit einem ein Stein - nein, ein ganzer Berg von Steinen - vom Herzen fällt. So viel, dass man die Erleichterung fast schon körperlich spüren kann. Und man schließt die Augen und lächelt und atmet ganz tief und ruhig und spürt eine Welle von Entspannung durch den Körper fließen.

Und in diesem glücklichen Moment bringt man dann auch den Mut auf, den gefürchteten Anruf beim Arzt zu tätigen. Zitternd und mit Herzklopfen wie immer, weil das Telefonieren an sich schon so viel Angst macht, aber man tut es. Und im ersten Moment versagt die Stimme, aber man merkt, dass das gar nicht so tragisch ist, ja, dass rein gar nichts dadurch passiert, erst recht nichts Schlimmes. Die Arzthelferin am anderen Ende der Leitung ist freundlich und man trägt sein Anliegen vor und erhält die gewünschte Auskunft und spürt noch einmal eine Handvoll Steine vom Herzen fallen.

Alle Werte im Normbereich, es sieht alles gut aus. Das bedeutet, dass sich meine Leber noch immer nicht an mir rächt für die Dinge, die ich ihr früher zugemutet habe. Das bedeutet, dass meine Nieren einwandfrei arbeiten. Das bedeutet, dass mein Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen nicht erhöht ist.  Das bedeutet, dass alles okay ist. Was wiederum bedeutet, dass ich die Medikamente weiter so nehmen kann wie bisher. Dass ich im Hochdosisbereich bleiben darf mit der Chance und Hoffnung auf Besserung.

Ja, jetzt geht es mir gut. Der Tag hat so wunderbar angefangen, er kann nur schön werden. Ausschlafen, gute Nachrichten, einen sehr kurzen Uni-Tag vor mir, eine liebe Freundin treffen. Heute wird ein lebenswerter Tag.

3.11.10 09:18


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung