... auf der Suche nach Leben ...



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Ich bin überrascht, wie gelassen ich diese Begegnung mit diesen ach so coolen angetrunkenen Typen hinnehmen kann. Früher hätte mich sowas tagelang, wochenlang fertig gemacht. Okay, wenn es mir schlecht ginge, wäre das immer noch so... Aber da es mir gut geht - macht mir das kaum was aus.

Ich denke schon noch daran. Ganz kalt gelassen hat es mich nicht. Wen lässt es schon wirklich ungerührt, wenn man auf offener Straße wegen seiner Hässlichkeit verspottet wird... Aber im Grunde ist es mir egal. Es macht mich eher wütend, weil solch Verhalten einfach nicht in Ordnung ist. Früher hätte ich nicht so gedacht. Da hätte ich jetzt wieder massiv Selbstzweifel, würde am liebsten sterben und solchen Typen auch noch Recht geben. Statt dessen denke ich nur: "Ihr Idioten könnt mich mal!!"

Ja. Mir geht's immer noch gut und wenn mich sogar sowas nicht weiter aus der Bahn wirft, dann kann ich hoffen, dass meine Stimmung erstmal wieder stabil im guten Bereich bleibt. Es wäre so schön, wenn die depressive Phase nach so verhältnismäßig kurzer Zeit schon wieder abgeklungen ist und ich das Leben wieder eine Weile genießen kann. Drückt mir die Daumen!

Mein Psychiater schien überrascht, dass es mir so plötzlich wieder super geht. Mein Zustand am Mittwoch gefiel ihm überhaupt nicht, und jetzt sieht er mich zwei Tage später und ich bin wie ausgewechselt. Kaum vorstellbar, dass es mir am Mittwoch so schlecht ging, dass er sogar Klinikeinweisung in Erwägung gezogen hatte. Aber es freut ihn sehr und er schien auch erleichtert, dass es erstmal wieder vorbei ist.

Diskussion, ob Phasenprophylaktika sinnvoll wären, um erneuten depressiven Schüben vorzubeugen. Ich würde es mal probieren wollen, er ist eher skeptisch und im Grunde hat er auch Recht. Die guten Phasen sind länger und stabiler geworden, die depressiven Schübe kürzer. Es sind eher kürzere "Stimmungsrückfälle" und wenn sich diese Entwicklung fortsetzt - wer weiß, vielleicht verschwinden die depressiven Schübe noch weiter - und sind irgendwann ganz weg.

Seit Dienstag habe ich mich auch nicht mehr verletzt. Die Wunden heilen gut, meine Arme sehen schon nicht mehr ganz so schockierend aus. Aber es juckt so fürchterlich, das macht mich ganz kirre.

1.10.10 19:46


Bauchweh. Krampfartige Schmerzen. Mit Wärmflasche ins Bett kuscheln, Schmerzmittel schlucken. Fast jeden Monat das gleiche Spiel. Danke Natur, hast du toll eingerichtet. Wieso muss ich eine Frau sein? *seufz*

2.10.10 12:04


Liebster H.,

fast hätte ich jetzt "Herzlichen Glückwunsch" geschrieben, aber das wäre unpassend, nicht wahr? Man gratuliert zum Geburtstag. Nicht zum Todestag. Dennoch hoffe ich, dass es dir gut geht, wo auch immer du nach deinem Tod hingegangen sein magst.

Es ist so viele Jahre her, aber an diesem Datum denke ich immer an dich. Ich habe dich nicht vergessen, Bruderherz, auch wenn ich schon lange nicht mehr an deinem Grab gewesen bin. Aber dort bist du sowieso nicht, habe ich Recht? Jemand sagte mal: "Die Seelen der Toten sind überall, nur nicht auf dem Friedhof, denn nirgendwo ist es so langweilig wie dort - also warum sollten die Toten dort bleiben?" Du warst immer so fröhlich und sprühtest vor Energie und Lebensfreude. Nein, ein langweiliges Gräberfeld, das ist nichts für dich. Vielleicht treibst du dich in der Welt herum, vielleicht bist du in der Nähe deiner Lieben geblieben. Vielleicht schaust du mir über die Schulter, während ich diese Worte schreibe.

Der Tag, an dem du starbst, ist mit allen Details in mein Gedächtnis gebrannt. Ich erinnere mich, als ob es erst gestern gewesen wäre, und wenn ich mich zurückerinnere, dann fühle ich mich wieder wie das kleine Mädchen, das ich damals war. Ich kann noch immer den kalten Luftzug fühlen, der mich frösteln ließ, während ich am Fenster stand und weinte, früh morgens, während die Sonne aufging. Ich erinnere mich an Papa, der zu mir kam und mir sagte, was ich längst wusste. Ich erinnere mich an den Schmerz und die Trauer und die Verwirrung.

Und an die Stille. Ja, diese Totenstille, die werde ich niemals vergessen. Wochenlang habe ich deinen qualvollen Husten gehört, Tag und Nacht. Nur die wenigen Stunden, in denen du Ruhe fandest und schlafen konntest, da war es still. Ein bisschen habe ich an diesem Morgen auf den Moment gewartet, an dem du aufwachst und der Husten wieder anfängt. Aber es blieb still. Du bist nicht mehr aufgewacht.

Ich weiß noch, dass an diesem Tag die Sonne schien. Nachmittags saß ich mit Mama im Garten. Ich fragte sie, was für ein Tag das denn sei, dieser "Tag der deutschen Einheit"? Ob das ein Feier-Tag wäre, ein schöner Tag? Sie sagte: Ja, eigentlich ist das ein schöner Tag... Damals dachte ich, dass dieser Tag für mich nie wieder ein schöner Tag sein wird. Aber weißt du, H., inzwischen denke ich mit einem Lächeln an dich, an diesem Tag. Ich lächel, weil ich so viele schöne Erinnerungen an dich habe und weil du ein so wunderbarer Bruder gewesen bist und immer in meinem Herzen bleiben wirst.

Ich hab dich lieb, großer Bruder.
3.10.10 12:22


Ferienende

So langsam sind nun auch meine Ferien zu Ende. Morgen früh wieder mit Wecker aufstehen. Aber so wirklich viel macht mir das Frühaufstehen nicht aus, ich bin ja sowieso ein Morgenmensch. Trotzdem ungewohnt nach diesen wunderbar langen Ferien. Mit Wecker aufstehen, den ganzen Tag konzentrieren müssen, mit anderen zusammen sein müssen.

Trotzdem, ich freu mich auf morgen. Zwei Wochen Praktikum. Zwei Wochen Labor und Kittel und hoffentlich viel Spaß und wenig Langeweile.

Und nach dem Praktikum geht der richtige Uni-Stress wieder los. Ich hab Angst vor dem nächsten Semester... Nein, da mag ich jetzt nicht dran denken. So.

3.10.10 22:11


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