... auf der Suche nach Leben ...



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Manchmal sind es Kleinigkeiten, die mich zum Schmunzeln bringen.

Straßenbahn. Großgewachsener Mann steigt ein. Schwarze Lederstiefel. Schwarze Lederhose. Schwarzes Shirt mit Band-Logo. Knöchellanger schwarzer Ledermantel. Lange schwarze Haare, zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden - mit einem neongrünen Haargummi!

Irgendwie sah dieses Haargummi in dem ganzen Schwarz so putzig aus *g*

1.9.10 20:36


Seltsames Zeug geträumt letzte Nacht und dann früh aufgestanden, weil ich einfach keine Lust auf noch mehr merkwürdige Träume hatte. Wie gut, dass mein innerer Schweinehund ein ausgesprochener Langschläfer ist! So konnte ich mich doch endlich mal aufraffen mit der Hausarbeit für die Uni anzufangen. Und um ja nicht irgendwelchen verlockenden Ablenkungen zu erliegen, hab ich mich dazu an die Uni begeben, sitze in einem herrlich ruhigen und nahezu leeren PC-Pool und kämpfe mich tapfer durch einen Text, der zur Hälfte aus Abkürzungen zu bestehen scheint. Immerhin habe ich ihn mittlerweile komplett gelesen, im Grunde auch verstanden, die wesentlichen Inhalte rausgeschrieben und jetzt geht's an die Kritik. Ist schon interessant, wie wenig aussagekräftig manche Argumentationen sind, wenn man mal genauer hinschaut.

Frustrierend ist nur der Blick aus dem Fenster - strahlend blauer Himmel und Sonnenschein pur... aber solange mein Schweinehund noch schläft bzw. mich hier an der Uni noch nicht gefunden hat, schreibe ich weiter - muss ja gemacht werden und ewig Zeit habe ich auch nicht mehr. Sonne gibt's dann - hoffentlich - später.

Aber jetzt geht's wieder zurück zu Rezeptoren, Stress und Mäusen mit Depressionen und Angststörungen.

2.9.10 11:19


Freitag Morgen, Bahnhof in Uni-Stadt. Ich stehe auf dem Bahnsteig, warte auf den Zug. Allmählich trudeln andere Menschen ein, die mit demselben Zug nach irgendwo wollen. Der Zug kommt, Reisende steigen aus, neue Reisende warten ungeduldig darauf, einsteigen zu können. Es herrscht allgemeines Gedrängel, unruhiges Geschiebe und Geschubse.

Auch ich bin unruhig, allerdings nicht, weil ich endlich in den Zug will. Nein. Da ist dieser Mann. Er macht mich nervös. Er schaut mich an, ganz offen und direkt, keine heimlichen Seitenblicke. Mustert mich. Kurzer Blickkontakt, ich schaue weg, ignoriere ihn.

Warum guckt der mich so an?
Was will der von mir?
Kennen wir uns? Nein, kann nicht sein. Der kommt mir nicht bekannt vor. Noch nie gesehen.
Sind es mal wieder die Narben? Aber das kann es eigentlich nicht sein! Er hat doch schon die ganze Zeit zu mir geschaut und ich stand auf dem Bahnsteig ein Stückchen entfernt von ihm. Da können ihm die Narben gar nicht aufgefallen sein. Außerdem guckt er mir ins Gesicht. Nicht dieser verstohlene Blick auf meine Arme.
Warum steigt der überhaupt in dieses Abteil ein?! Der stand doch vorhin da drüben! Wieso ist er hierher gekommen und steigt nicht dort hinten ein?!
Oh Gott, hoffentlich setzt der sich nicht neben mich!

Der Strom der Aussteigenden versiegt, die wartende Menge drängt durch die Waggontür ins Innere. Plätze werden ausgesucht, Gepäck verstaut.

Wo setze ich mich am besten hin?
Ist der Typ noch in meiner Nähe?
Irgendeinen Platz, wo er sich nicht zu mir setzen kann... hier vielleicht? Wenn ich Rucksack und Tasche neben mich stelle... Hoffentlich fragt er nicht, ob der Platz neben mir noch frei ist! Aber dann sage ich einfach, dass ich den Platz wegen dem Gepäck brauche, und so voll ist der Zug ja nicht, da kann er auch woanders sitzen.

Ich sehe den Mann. Er schaut mich kurz an - geht an mir vorbei. Einen kurzen Moment kann ich aufatmen. Er setzt sich auf einen Platz in meiner Nähe. Aber zumindest nicht neben mich. Und nicht direkt vor oder hinter mir.

Puh, Glück gehabt! Der wird mich also nicht die ganze Fahrt belästigen.

Ich hake die Sache ab. Denke mir, dass die Blicke nichts zu bedeuten hatten und freue mich auf eine ruhige Fahrt. Ich ignoriere, dass der Mann sich noch einige Male umdreht und zu mir schaut. Der Zug setzt sich in Bewegung, Uni-Stadt liegt bald hinter uns, Zwischenstopps an anderen Bahnhöfen, Weiterfahren, zwischendurch Fahrkartenkontrolle.

Immer wieder schaut er zu mir rüber. Jetzt schon wieder! Und es scheint ihn nicht zu stören, dass ich das merke, denn wenn ich zurückschaue, dann schaut er nicht weg. Ich versuche seinen Gesichtsausdruck zu deuten. Aber da ist nichts zu erkennen. Bestenfalls sieht er nachdenklich aus. Ich schaue aus dem Fenster. Schließe die Augen und gebe vor zu schlafen. Starre vor mich hin. Ich bemühe mich so zu tun, als ob ich ihn ignoriere, aber aus den Augenwinkeln beobachte ich ihn - und in meinem Kopf jagen sich die Gedanken.

Was zur Hölle will der von mir? Das ist doch kein Zufall, dass der ständig zu mir guckt! Schon am Bahnhof in Uni-Stadt und jetzt die ganze Fahrt über, immer wieder. Mindestens nach jedem Halt schaut er. Will der sich versichern, dass ich noch da bin? Dass ich nicht ausgestiegen bin? Aber warum?
Oh Gott, hoffentlich will der mir nicht irgendwas antun! Hoffentlich fängt der nicht irgendwann an mich zu belästigen...
Ruhig bleiben!
Mensch Mädel, du bist hier in 'nem Zug. Der kann dir nichts tun. Hier sind so viele andere Menschen. Und wenn der dich blöd anmacht, dann ziehst du einfach klare Grenzen. Das kannst du doch inzwischen. Ruhig bleiben. Einfach ruhig bleiben. Dir kann nichts passieren.
Aber vielleicht will der mir auch nichts tun. Vielleicht kennt er mich tatsächlich? Nee, kann nicht sein. Ich hab den noch nie gesehen. Oder? Nein.
Vielleicht stimmt irgendwas nicht mit mir? Guckt der, weil mir urplötzlich 'n riesiger Pickel auf der Stirn gewachsen ist? Oder haben sich meine Haare auf mysteriöse Weise in knallpink umgefärbt? Sitzt mein Oberteil irgendwie komisch, kann man irgendwas sehen, was eigentlich bedeckt sein sollte? Scheiße, was ist nur los, was glotzt der so?!

Aufatmen. "Sehr verehrte Fahrgäste, wir erreichen in Kürze A. Der Zug endet hier, wir bitten Sie alle auszusteigen. Sie haben Anschluss nach blablabla." Gut, hier muss ich umsteigen. Der Mann wird ja hoffentlich nicht mit dem gleichen Zug weiterfahren wie ich. Es wird unruhig im Zug. Fahrgäste strecken sich, Gepäck wird zusammengesucht, Jacken angezogen. Wer es eilig hat, der hastet schnell zur Waggontüre, um aussteigen zu können sobald der Zug steht. Der Zug hält, wieder allgemeines Gedrängel, hinaus auf den Bahnsteig, zwischen wartenden Reisenden hindurch, um Koffer und Taschen schlängeln, Kindern ausweichen.

Ich gehe zu dem Bahnsteig, von dem mein nächster Zug abfahren wird, lehne mich an einen Pfosten, warte auf den Zug. Ein paar Minuten nur, dann geht die Fahrt weiter. Aus dem Augenwinkel sehe ich - ihn!

Scheiße! Der fährt doch wohl hoffentlich nicht auch mit diesemZug weiter?! Mist, Mist, Mist, der scheint auch auf diesen Zug zu warten. Kommt der etwa zu mir rüber?! Oh Gott, bitte nicht... Geh weg, lass mich in Ruhe, hau einfach ab! Ich bin nicht hier, für dich bin ich gar nicht hier, ich will nicht mit dir reden, ich will nichts mit dir zu tun haben, verdammt!!

"Hallo, fahren Sie auch nach XY?" Na, zumindest siezt er mich!
"Mhm, ja."
"Ah. Wohnen Sie da?" Geht dich das was an?
"Nicht mehr."
"Aber Sie haben da mal gewohnt?" Wieso interessiert dich das?!
"Mhm, ja, bin da aufgewachsen."
"Ah. Dachte ich mir. Sie kommen mir bekannt vor. Irgendwo hab ich Sie schon gesehen." Aha?
"Kann sein."

Gnädigerweise kommt in diesem Moment der Zug und erspart mir weitere Fragen. Wieder Gedrängel und Unruhe. Ich gebe mir Mühe, von dem Mann weg zu kommen. Ich habe keine Lust, die ganze Weiterfahrt mit ihm zu verbringen. Es gelingt mir nicht, er bleibt in meiner Nähe, steigt in den gleichen Waggon, ins gleiche Abteil. Demonstrativ belege ich den Platz neben mir mit Rucksack und Tasche. Er bleibt kurz stehen, sieht das und geht zum Glück weiter. Setzt sich ein paar Reihen weiter vorne hin.

Diesmal habe ich Ruhe. Er sitzt so, dass er mich nicht ständig anschauen kann. Aber so wirklich entspannen kann ich mich nicht. Er ist mir nicht geheuer. Gedanken rasen.

Er hat mich also schon mal irgendwo gesehen? Okay, schön. Na und? Ist doch echt kein Grund, mich ständig anzuschauen, oder? Nur, weil man jemanden schon wo gesehen hat... Wir kennen uns ja nicht, oder? Ich kenne ihn jedenfalls nicht. Wir haben noch nie miteinander zu tun gehabt. Kann schon sein, dass er mich mal gesehen hat. Hey, XY ist 'ne Kleinstadt. Da kann man sich schon mal über den Weg gelaufen sein. Oder er hat mich mal in der Zeitung gesehen. Möglich wär's.
Oder kenne ich ihn doch und erinnere mich nicht? Ich kann mir Gesichter nicht merken, das stimmt schon. Aber ich habe ja noch nicht mal ein vages Gefühl, den Kerl irgendwo schon gesehen zu haben. Der ist mir völlig fremd.
Vielleicht ist das auch nur ein Vorwand? Vielleicht komme ich dem gar nicht bekannt vor, sondern der will... irgendwas anderes halt. Oh Gott, habe ich zu viel von mir preisgegeben?? Wenn der wirklich andere "Interessen" an mir hat... Nein, der kann mir nichts tun. Nicht hier, nicht im Zug. Und am Bahnhof auch nicht, da sind genug andere Menschen. Außerdem werde ich ja abgeholt. Wirklich was preisgegeben habe ich auch nicht - nur, dass ich in XY aufgewachsen bin. Der kann mir nichs tun.

Abgesehen vom Gedankenchaos in meinem Kopf verläuft die Fahrt ruhig. Kurz vor XY nähert sich der Mann meinem Platz. Bleibt stehen. Setzt sich auf den freien Platz auf der gegenüberliegenden Gangseite. Beginnt ein Gespräch. Was ich beruflich mache. Welches Fach ich studiere. Ob ich in Uni-Stadt wohne. Ob ich jeden Freitag nach XY fahre. Eigentlich belanglose Fragen. Solche Dinge würde ich auch fragen, wenn ich rausfinden wollte, woher ich jemanden möglicherweise kenne. Aber solche Fragen würde ich auch stellen, wenn ich was anderes wollte. Jedenfalls habe ich mir Mühe gegeben, möglichst wenig von mir zu verraten - ein bisschen paranoid bin ich wohl doch - und in XY schnell aus dem Zug und dem Blickfeld dieses Mannes zu verschwinden.

Es ist einfach unheimlich - gekannt zu werden, ohne denjenigen selbst zu kennen. Ich bin ja nun wirklich keine Person, die ständig in der Öffentlichkeit steht. Absolut nicht. Natürlich verstecke ich mich auch nicht, ich geh aus dem Haus, durch die Innenstadt, in Geschäfte, spazieren. Mag schon sein, dass er mich mal gesehen hat - aber wer merkt sich denn bitte Gesichter von Menschen, die einem mal irgendwo auf der Straße zufällig über den Weg liefen?! Ich jedenfalls nicht. Ich wüsste zu gerne, woher er mich kennt, aber er scheint das trotz Fragen und intensivem Nachdenken auch nicht rausgefunden zu haben.

Vielleicht hat er sich auch nur getäuscht. Manche Menschen sehen sich ähnlich. Vor ein paar Jahren wurde ich mal von einem Mann angesprochen - mit einem Namen, der definitiv nicht meiner ist. Der hatte mich schlicht verwechselt, weil ich einer Freundin von ihm zum verwechseln ähnlich sehe. Tja, kann vorkommen, nicht wahr? Vielleicht habe ich eine Doppelgängerin, wer weiß das schon. Und vielleicht hat der Mann mal was mit meiner Doppelgängerin zu tun gehabt.

Andererseits bin ich natürlich aufgrund meiner Lebensgeschichte sehr misstrauisch. Ich kann die Angst nicht loswerden, dass das alles nur ein Vorwand war um mehr über mich rauszufinden und dann... Was weiß ich. Es ist bescheuert, paranoid, geb ich ja zu. Aber wenn es so wäre - habe ich zu viel von mir preisgegeben? Ich gehe in Gedanken jede meiner Antworten immer und immer wieder durch und ich würde behaupten, dass meine Antworten allgemein genug waren, um mich nicht in Gefahr zu bringen. Ich habe geantwortet ohne wirklich was über mich zu erzählen. Mir kann nichts passieren.

Und ehrlich gesagt, der Mann wirkte auch nicht so, als ob er mir was Böses will. Einfach nur wie jemand, der versucht sich an etwas zu erinnern, nicht mehr und nicht weniger. Und er blieb ja eigentlich auch höflich und freundlich - aber was heißt das schon!

Was, wenn er doch...? Aufpassen, ich muss vorsichtig sein, Gedanken kontrollieren, stoppen, bevor ich mich wieder in irgendwelchen wahnhaften Gedanken verliere...

Ach, ich wüsste zu gerne, wer der Mann war! Und ob wir uns vielleicht doch kennen. Oder woher er mich kennt. Aber wahrscheinlich sehe ich ihn eh nie wieder und werde das nie erfahren.

5.9.10 08:14


Isolation, Kontakte, Freunde

Früher hatte ich keine Freunde. Aber das störte mich nicht. Denn da hatte ich andere Probleme. Und ich kannte es auch nicht anders. Freunde - was ist das denn? Hab ich nicht, brauch ich nicht.

Während der Therapie hat sich Einiges geändert. Ich konnte Nähe zulassen - und wollte endlich Menschen, denen ich mich nahe fühlte. Ich wollte Freunde.

Das war ein langer Weg. Ich war so lange isoliert, dass ich überhaupt nicht wusste, wie ich mit anderen Menschen umgehen muss. Ich konnte die banalsten Dinge nicht. Das habe ich in mühsamen Gesprächen und Übungen lernen müssen - von "ein paar Meter durch die Innenstadt gehen" über "etwas einkaufen" bis hin zu "eine kurze Unterhaltung führen". Damals alles völliges Neuland für mich. Stück für Stück habe ich dieses fremde Terrain für mich erobert.

Ganz langsam habe ich dann auch gelernt, Menschen an mich heran zu lassen. Habe mich mit der Vorstellung auseinandergesetzt, dass ich nicht den Rest meines Lebens isoliert bleibe und sich mein soziales Leben nicht auf unpersönliche Kontakte beschränkt. Und irgendwann, da habe ich dann sogar gefühlt, wie einsam ich in Wirklichkeit war. Das, was so viele Jahre normal gewesen war, tat mir nur noch weh. Ich begann mich nach Menschen zu sehnen, nach Nähe, nach Vertrauen, nach Freundschaften.

Es waren wieder viele anstrengende Schritte, die notwendig waren, um dieses Ziel zu erreichen. Ich musste lernen, Nähe zuzulassen, Vertrauen zu können, Sympathien zu fühlen. Stück für Stück habe ich "Grenzen" geöffnet - über Private Dinge reden, über Gefühle reden, Pausen miteinander verbringen, sich außerhalb von Schule bzw. Uni treffen.

Ich bin noch immer nicht ganz am Ziel, aber inzwischen doch so weit, dass ich manche Kontakte als Freundschaften bezeichnen kann. Ja, ich habe endlich Freunde, wie ich es so lange wollte und wofür ich gekämpft habe, immer wieder.

Und jetzt bin ich überfordert und würde mich am liebsten wieder in die Einsamkeit zurückziehen. War es ohne Freunde nicht doch irgendwie besser...?

5.9.10 17:16


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